Von Zeit zu Zeit muss ich über meine Trauer reden – auch heute noch. Ich bin in einer Altersklasse, in der die Einschläge näher kommen. Immer häufiger begegnen mir Freude und Bekannte, die wie ich einen Verlust erlitten haben.
Trauer braucht ein offenes Ohr
Vor einiger Zeit traf ich einen Kollegen, den ich schon lange nicht mehr getroffen hatte. Wie immer eröffnete ich das Gespräch mit: „Hallo Norbert, wie geht es Dir?“ – Seine Antwort klang nicht gut. Also hakte ich nach: „Geht es Dir wirklich gut?“ Erst da wagte er, von seinem Trauerfall zu erzählen.
Wir setzten uns auf eine Bank und fingen an zu reden. Nicht lange. Länger wäre schön gewesen. Doch als Trauernder haben wir oft das Gefühl, wir dürften nicht. Wir wollen nicht belasten.
Reden entlastet
Doch selbst wenn es nur kurze Momente eines ernst zu nehmenden Austausches sind, dann sind genau diese Momente wohltuend. Ob das im Zug ist, ob das auf dem Friedhof ist….
Warum der Friedhofssmalltalk oft so wohl tut
Es müssen keine Bekannten sein. Auch das Gespräch mit Unbekannten hilft, ist oft sogar eine wertvollere Hilfe. Unbekannte empfinden oft weniger Belastung durch ein solches Gespräch. Und es gibt Orte, die uns signalisieren, daß wir auf Gleichgesinnte treffen. Der Friedhof gehört zu solchen Orten. Hier treffen sich Menschen mit ähnlichen Erfahrungen.
